Schön war die Zeit, oder muss es doch eher heißen: Scheiße wie lange ist das her und wie alt ich mittlerweile wohl bin. Doch Midlife-Crisis, da gibt’s nichts zu leugnen. Dieser Artikel hat mich aufmerksam darauf gemacht, das mittlerweile eine kleine Nostalgiewelle durchs Internet schwappt, bei der die etwas altgewordenen langsam sentimental werden. Sei es das obige Beispiel auf YouTube oder das sentimentale Gejammer in diesem Beitrag.
Aber zum Glück gibt es ja so etwas wie das Internet. Nur dadurch werden alte Erinnerungen wieder wach, denn Photos oder ähnliches besitze ich nicht aus dieser Zeit. War damals irgendwie uncool und mensch zu paranoid um etwas zu dokumentieren. Ich denke Teile des Films gab es auf jeden Fall als Mobilisierungsvideo für den 1. Mai 1997, denn gerade die letzte Szene im Film hab ich all die Jahre nicht vergessen, wie auch. Im Mobilisierungsvideo haben die Leute mit den Hassis noch irgendetwas über den 1. Mai erzählt. Eigentlich wollte ich mit dem Video nur zeigen, das die Zeiten wo Proll-Videos noch hipp waren, doch eigentlich schon lange vorbei sind, und selbst im nachhinein immer noch Panne wirken.
Göttingen ist ja bekanntermaßen eine Hochburg, wenn es um Antifa-Vermarktungsstrategien geht. In letzter Zeit sind mir einige Action-Videos ins Auge gesprungen die diese These unterstrichen haben. Aktuellstes Beispiel ist wohl dieses Mobilisierungsvideo für den 24. Oktober 2004. Letzten Samstag versuchten in Hamburg die üblichen Verdächtigen mal wieder aufzulaufen, was aber in vielerlei Hinsicht wohl gründlich daneben ging. Nähere Informationen erhaltet ihr sicherlich auf den üblichen Informationswegen. In diesem Beitrag soll es lediglich um die Bewertung des obigen Videos gehen. Und da kann ich nur feststellen, was die Style-Antifa angeht, kann Hamburg nur von der Provinz lernen. Dies war ja offensichtlich schon zu B0-Zeiten der Fall. Daher würde ich mal so grob auf 5:0 für Göttingen tippen. Nicht zuletzt wegen dem doch unterirdischen Aufruf, der sogar bei der Live-Übertragung im FSK bemängelt wurde. Tja, das heißt wohl nachsitzen für die Hamburger-Antifa und noch ein wenig Theoriearbeit, wenn es ja noch nicht mal für den Posser-Style Preis langt.
Nach dem letzten Japanther Konzert hatte ich noch das Vergnügen mich ein wenig länger mit Ian Vanek zu unterhalten und da ist mir wieder klar geworden, das es Zeit wird eine Band zu promoten, die ich ohne die zahlreichen Verweise von Japanther niemals kennen gelernt hätte. Die Rede ist von der Band Sour Grapes die 2005 ihre Album „No more Drama“ auf dem Label Tugboat Press veröffentlicht haben.
Der häufigste Vergleich der bei dieser Band genannt wird, sind die legendären Moldy Peaches. Wobei ich finde das sie eher eine weiter Entwicklung darstellen, da neben den unüberhörbaren Wurzeln im Antifolk auch Elektro-Häppchen zu hören sind. Besonders empfehlen kann ich das Lied „Hirsuite Potter“, in dem es natürlich um Harry Potter geht und „Skulls“ ein sehr gelungenes Misfits-Cover. Eine Freundin von mir hat auch ein Lied von Daniel Johnston erkannt. Den Verweis auf Modly Peaches lass ich euch suchen. Die Band aus Portland gibt es seit 2002 und besteht aus Steve Gevurtz, Nicole Georges und Dawn Riddle. Alles Namen die es lohnen in der wunderbaren Welt des Internets zu verfolgen.
Live zu hören gibt es von ihnen, außer als Song-Intros bei Japanther Konzerten, wohl auch in absehbarer Zukunft nichts in Europa. Leider. Dafür gibts zum reinhören zwei Songs auf einer MySpace-Homepage, natürlich „Skulls“ und „Hirsuite Potter“.
Da wartet mensch schon seit geraumer Zeit auf die DVD-Ausgabe von „Die Reise ins Glück“ von Wenzel Storch und nun ist der Auslieferungstermin auf Frühling 2007 verschoben worden. Gut Ding will eben Weile haben.
Diese erschreckende Nachricht soll gelindern werden mit einer kleinen Hommage an diesen äußerst surrealistischen Film. „Die Reise ins Glück“ von 2004 ist der dritte und vermutlich durchgeknallteste Film von Wenzel Storch.
Die Freiwillige Selbstkontrolle (FSK) prüfte den Film in Sachen Pornographie, Blasphemie und Gewalt. Zum Glück wurde der Film von der FSK nicht sonderlich beanstandet. Da hatte Storch mit „Autonomen Frauen/Lesben“ aus Göttingen andere Erfahrungen gemacht. Die klauten im Jahre 1994 eine Kopie des Films „Sommer der Liebe“ aus ihrem Kiez-Kino, um gegen die Verharmlosung von Sexismus und Rassismus zu protestieren. Diese linksradikale Räuberpistole fand damals ein Medienecho von taz über Junge Welt bis hin zur titanic. Die Kopie wurde konspirativ in einem Bahnhofsschließfach zurück gegeben, weil ansonsten das Kiez-Kino den Verlust hätte bezahlen müssen.
Aber zurück zum Film: die Rahmenhandlung ist eigentlich schnell erzählt. Gustav (Jürgen Höhne) Kapitän des Schneckenschiffes will in den wohlverdienten Ruhestand gehen. Das Schiff strandet mitsamt seiner Mannschaft aus Mensch und Tier an der Küste einer geheimnisvollen Insel. Voller Freude und Entdeckungsdrang bereitet er sich auf den Landgang vor. Niemand an Bord ahnt, daß auf der Insel König Knuffi regiert.
Hauptdarsteller Jürgen Höhne (LKW-Fahrer, mittlerweile Frührentner) war schon in den beiden ersten Filmen zu sehen und ist so etwas wie die Seele in Wenzels Filmen. Im Interview gibt er zu: „Ich kenne weder das Drehbuch noch die Handlung. Das ist mir auch lieber so. Ich halte mich einfach an Wenzels Anweisungen.“ Seine Drehpausen verbringt er am liebsten mit: “Dann knall ich mir ein paar Bierchen rein. Irgendwie musst du dich ja abreagieren. Oder ich gehe mit meiner Frau und meinem Dackel im Deister spazieren.“ Ist auch irgendwie anstrengend den ganzen Film über in einer übergroßen Taucherglocke herumzulaufen.
Die Dreharbeiten zogen sich fast 10 Jahre hin, da alle Requisiten und Kulissen von den Schauspielern und Helfern in einer 1000qm großen Lagerhalle selbst aus Schrott und Flohmarktfunden zusammen gebaut wurden.
Ein weiteres Highlight des Films ist Horst Tomayer, der das notgeile Kaninchen synchronisiert.
Es ist schwer etwas über Filme, Musik oder Kultur im Allgemeinen zu schreiben, ohne direkt die Befürchtung zu haben, sogleich von den Menschen da draußen zerrissen zu werden. Es gibt wohl kaum ein anderes Gebiet, über das sich so intensiv in bierlaunigen Kneipensituationen gestritten werden kann. Nichtsdestotrotz versuche ich hier eine Kategorie über Filme zu etablieren, die zumindest für mich persönlich wichtig erscheinen.
Den Anfang soll der Film “Gummo“ machen, das Regiedebüt von Harmony Korine von 1997. Harmony Korine hat sich auf jedenfall ein Name gemacht als Drehbuchautor des Films “Kids“ von Larry Clark.
“Gummo“ spielt in dem kleinen Vorort Xenias und erzählt von verschiedenen Einwohnern der Stadt. Hauptpersonen sind Tummler und Solomon, die versuchen gegen die Eintönigkeit zwischen den Einfamilienhäusern und dem tristen Alltag anzukommen. Abwechslung verschafft nur die Suche nach streunenden Katzen, deren Kadaver sie an einen Restaurantlieferanten für ein paar Dollar verkaufen. Der improvisierte Stil der Bilder in “Gummo“ täuscht vor das die Schauspielerlaien sich selbst spielen. Der Trostlosigkeit kann niemand entrinnen.